Wettbewerb Griesplatz, Graz

BioDiversGries – Nutzungsoffen. Biodivers. Nachhaltig. Sozial.

CLIENT: Stadtgemeinde Graz

TASK: Umgestaltung des Griesplatzes

DATE: 2026

Projektstatus: Wettbewerb

Entwurfskonzept

Wesentlich ist eine Betrachtungsweise, die den Griesplatz nicht als Solitär behandelt, sondern als Teil des gesamten (Frei)raumsystems im Stadtteil Gries. Der Griesplatz endet nicht mit seinen rechtlichen Grenzen laut Flächenwidmungsplan. Ziel ist es, Identität zu stiften und einen Mehrwert für den gesamten umliegenden Stadtraum zu erzeugen. Die gestalterischen, verkehrsplanerischen und sozialen Interventionen zielen darauf ab, das Umfeld mitzunehmen.

Biodiversität ist die natürliche Versicherung unserer Zukunft. Angesichts von Klimawandel und Versiegelung benötigt der urbane Raum in Graz – begünstigt durch seine besondere Lage im Becken – mutige Nature-Based- Solutions. Der Griesplatz wird hierbei als funktionaler Biodiversitätskorridor begriffen, der die historische Identität des Viertels als ehemaliges Augebiet der Mur reaktiviert. Der Name „Gries“ (Flusssand) verweist auf das geologische Erbe, das wir durch sandig-kiesige Substrate wieder erlebbar machen, um ökologische Trittsteine zwischen Augarten, Oeversee- und Rösselmühlpark zu schaffen.

Städtebauliches Konzept

Im Norden bildet die Kreuzung mit der Sterngasse einen kühlen, grünen Park mit Brunnen und Spielplatz. Ein Café am Übergang zum Griesplatz fasst diesen Aufenthaltsraum und setzt die imposante Größe des nachfogenden Platzes in Szene. Betrieben wird es mit Bewohner:innenbeteiligung.
Die den Griesplatz querende Straße wird in der Längsrichtung verschwenkt und bildet drei unterschiedliche Platzsituationen: Das nördliche Ende des Platzes wird durch Café, Zeitungsstand und Bushaltestelle geprägt. Der große, mittige Platz befindet sich vor der Welschen Kirche, enthält die Ecce-Homo-Statue und einen in den Boden eingelassenen Spielbrunnen – die „Plansche“, – der den Stadtraum kühlt.

An der Nordecke befindet sich das Bäckereigewerbehaus, das im Zuge der Umgestaltung aktiviert wird und als „Haus der Kulturen“ Platz für Aktivitäten der Anrainer:innen bietet. Seitlich der Kirche finden 40 Marktstände Platz, das südliche Ende bildet eine Tribüne mit eingebauten WC-Anlagen und Lagerflächen. Kioske sorgen für Verpflegung. Ein zentraler Übergang neben der Busstation, in Verlängerung der Reichengasse, verbindet die Ostseite mit dem Platz und seinen unterschiedlich gepflasterten Bereichen. Als künstlerische Intervention „das blaue haus“ wird die seitliche, den Stadtraum dominierende Wand des A1-Hochhauses blau verhüllt und korreliert mit der blauen Plansche. Eine drehende Leuchte in Platzmitte weckt die Aufmerksamkeit. Im südlichen Bereich des Griesplatzes, getrennt durch die Fahrbahnverschwenkung, befindet sich das Gries- Habitat, eine kühle Waldlandschaft mit Sitz- und Ruhebereichen für ältere Menschen, ausgestattet mit Boccia- Bahn und Spielgeräten. Die Fortsetzung der Bepflanzung und Pflasterdifferenzierung bis zum südlichen Ende sorgt für Kühle im sich verjüngenden Stadtraum.

Der flexibel aneigenbare Raum bietet multifunktionale, (zeitlich versetzt für verschiedene Zielgruppen) mehrfachnutzbare Aufenthaltsqualitäten. Beschattete Sitzmöglichkeiten, Fahrradabstellplätze, Spielflächen und Gastronomie bieten für alle Nutzer:innen passende Infrastruktur. Sichere, fußläufige Verbindungen (Shared Space) erhöhen die Gehrelation, auch im umliegenden Stadtteil (Senioren, Schüler, junge Familien).

Konzept: Ausstattung

Konzept: Begegnungszone

Konzept: Bodenbeläge

Konzept: Verkehr

Re-Use, Sanierung, Biodiversität

Das wiedererkennbare, einheitliches Design des Griesplatzes wird für den gesamten Stadtteil verwendet und durch den Einsatz derselben Pflanzen, des Stadtmobiliars und des Beleuchtungskonzepts, das auch in den umliegenden Freiflächen verwendet wird, soll der Stadtteil über die Grenzen des Griesplatzes hinaus geprägt werden. Beläge werden differenziert gestaltet: Großformatige Platten bilden eine Struktur, die die beiden Platzseiten verbindet, Orientierung schafft, und Felder markiert. Differenzierte Re-Use-Pflasterungen, Wiesenflächen und wassergebundene Schotterdecken schaffen abwechslungsreiche Raumqualitäten. Sämtliche Einbauten wie Tribünen, Kioske und Café werden aus nachhaltigem, dauerhaftem Material errichtet.

In Anlehnung an den „Wiener Biodiversitätskorridor“ schaffen wir einen Lehrpfad der Artenvielfalt, der den Griesplatz vom Transitort zum sozialen Lebensraum transformiert:

  • Multikulturelles Miteinander: Die Anrainerschaft am Griesplatz ist geprägt von großer kultureller Vielfalt. Die gezielte Bepflanzung mit Kräutern (Liebstöckel, Majoran, Oregano, Minzen, Thymian, Bohnenkraut), die am Griesmarkt und in den Küchen der ansässigen Kulturkreise Verwendung finden, dient als Werkzeug zur kulturellen Integration.
  • Intergenerationeller Austausch: Durch die unmittelbare Nähe von Schulen und dem Altersheim entsteht ein Ort der Begegnung. Der Lehrpfad macht Natur für Kinder und Senioren gleichermaßen begreifbar. Ein Highlight ist das „Gries-Habitat“: Die offenen Sandstellen, bepflanzt mit trockenresistenten Pflanzen, fördern harmlose, bodennistende Sandbienen, die für Schulprojekte als lebendiges Lernlabor dienen.
  • Einbindung der Anrainer*innen in die Programmierung der Freiflächen: Wichtige Gruppen wie Schülerinnen, Seniorinnen, Familien, Anrainer*innen und Geschäftstreibende am Platz werden durch Partizipationsprozesse aktiv in die Gestaltung eingebunden.

Wir setzen auf eine Auswahl, die maximale Biodiversität bei minimalem Pflegeaufwand garantiert. Die Expertise des Projektteams wird in Zusammenarbeit mit dem Bot. Garten und dem Stadtgartenamt Graz sichergestellt:

  • Baumbestand & Sträucher: Auswahl nach der Grazer Baumartenliste, u. a. Mannaesche (Fraxinus ornus), verschiedene Ahorn- oder Linden-Arten sowie der Bienenbaum (Tetradium). Ergänzt durch Naschsträucher wie die Himbeere (Rubus phoenicolasius).
  • Ruderal-Lernlabor: Trockenliebende Ruderalpflanzen (Natternkopf, Gelbe Reseda, Königskerze, Steppensalbei) dienen als „Trittsteine“ für Bestäuber und benötigen lediglich einen Pflegeschnitt und „Unkraut“-Entfernung pro Jahr.